Dies sind die Geschichten meiner Familie - meiner Eltern, meiner Geschwister und unserer Ahnen, soweit diese noch nachzuvollziehen sind. Jede Geschichte ist es wert erzählt zu werden. So auch die meiner Familie.
Familiengeschichte der Familie Wellpott
Meine Eltern sind Uwe und Elisabeth Wellpott (geborene Silva). Mein Vater stammt aus Deutschland und meine Mutter ist gebürtige Peruanerin. Mein Vater, Uwe, ist in jungen Jahren kurz nach dem der Zweite Weltkrieg vorbei war, gemeinsam mit seiner Familie von Bremen nach Südamerika - Peru - ausgewandert um dort ein neues Leben zu beginnen. Fern ab der Sorge um Krieg und Zerstörung.
Uwe, mein Vater, hat eine ältere Schwester, Karin, und einen älteren Bruder, Heiko. Gemeinsam wuchsen die Geschwister im schönen Trujillo auf. Dort lernte Uwe in seiner Jugend seine zukünftige Frau Elisabeth kennen.
Meine Mutter hat drei Brüder - Italo, Oscar und Miguel. Sie stammen aus Trujillo. Sie ist die zweitälteste von vier Kindern der Familie Silva.
Die Beiden hatten bestimmt eine bewegte Jugend. Meine Eltern erzählen gerne die Geschichten von früher. Mit verklärtem Blick schwärmen sie von den alten Zeiten und einem Lebensgefühl, welches wir niemals kennenlernen durften. Ihre Geschichten kommen den Erlebnissen von James Dean und Elizabeth Taylor gleich und erzählen von jungen wilden Kerlen und schönen unbändigen Frauen, die in einer konservativen Erwachsenenwelt versuchten zu bestehen.
Im Jahre 1966 beschlossen Elisabeth und Uwe trotz eines gewissen Widerstandes des Vaters meiner Mutter zu heiraten. Die Eltern meines Vaters besaßen ein wenig Land am Stadtrand von Trujillo und dort lebten das frisch vermählte Paar eine Zeit lang.
Das Leben in Peru hatte gewiss auch seine Schattenseiten. So waren die politischen Verhältnisse in Peru sehr instabil, Gesetz und Behörden zählten als korrupt. Das machte das Leben in Südamerika nicht einfacher.
Durch den Militärputsch im Jahre 1968 verlor die Familie Wellpott ihr Land und die Chancen auf einen Neuanfang in jenem unsicheren Klima sahen schlecht aus. Meine älteste Schwester Jessica kam '68 auf die Welt. Gemeinsam beschlossen meine Eltern schweren Herzen Peru zu verlassen.
Erst nach weiteren zwei langen Jahren und dem großen Beben von 1970 bei dem etwa 60.000 Menschen in Peru und Chile umkamen, brach mein Vater Uwe nach Deutschland auf. Sein Bruder Heiko war bereits in Deutschland Bremen) und sollte ihm helfen sein neues Leben für seine Familie und ihn dort aufzubauen.
Deutschland
Im September 1971 kam Vater nach Deutschland und drei Monate später holte er seine Frau, seine drei Kinder und seinen Vater Karl Wellpott nach Deutschland. Mein Vater hatte eine Wohnung in Huchting (Bremen) gemietet und begann eine Lehre als Speditionskaufmann bei Hachez. Meine Mutter musste ihre Familie zurücklassen. Das schmerzt sie noch heute. Damals hat sie einen Teil von sich zurückgelassen. Beiden ist die Entscheidung Peru zu verlassen schwer gefallen. Sie vermissen das Land der Musik und der Farben. Doch sie gingen zum Wohle ihrer Kinder in ein fremdes Europa.
Mit harter Arbeit und vielen Entbehrungen begann ihr neues Leben. Meine Mutter beherrschte die deutsche Sprache nicht und hatte viel Mühe die Sprache zu erlernen. Mein Vater wiederum hatte Probleme mit der deutschen Mentalität und konnte sich aufgrund seines Temperaments nur schwer in die deutsche Arbeiter und Beamtengesellschaft eingliedern. Doch am Ende überwanden sie auch diese Hürden.

Die Jahre zogen ins Land. Mein Vater wechselte nach seiner Ausbildung von Hachez zu Beck & Co. und arbeitete dort für die damalige Hausspedition. Tragödien wurden beklagt und Erfolge wurden gefeiert.
Mein Opa, Karl Wellpott, zog aufgrund seines Alters zu meinen Eltern - das Leben wurde nicht leichter - aber die Familie stand beisammen.
Meine lieben Geschwister (Jessica, Uwe und Kitty) wuchsen heran und erst im Jahre 1979 kam dann das letzte Familienmitglied der Wellpott-Dynastie zur Welt. Mit meiner Geburt zogen meine Eltern von Huchting nach Delmenhorst und verwirklichten dort ihren Traum vom Eigenheim.
Selbstständigkeit
Die Zeit meinte es gut mit den Wellpotts. Mein Vater ging zum holländischen Blumengroßhändler Piet Meinen. Durch harte Arbeit und eine Menge Disziplin erwarb er sich dort den Ruf eines stolzen und aufrichtigen Mannes. Meine Mutter begann etwa zur gleichen Zeit mit kleinen Nebenjobs. Von Putzarbeiten bis hin zur Floristik begann sie sich ihre Unabhängigkeit gegenüber ihrem Ehemann zu erarbeiten. Am Ende arbeitete sie ebenfalls bei Piet Meinen als Floristin.
Als sich dann Anfang der 90er die Gelegenheit ergab, ging mein Vater in die Selbständigkeit. Eine Entscheidung die für unsere Familie weitreichende Konsequenzen nach sich zog. Meine Mutter und er übernahmen gemeinsam einen kleinen Blumenladen in Bremerhaven und begann so auf dem steinigen Weg der Selbständigkeit zu wandeln. Gerade in den ersten Jahren war es eine sehr schwere Zeit.

Die Geschichte nahm einen Verlauf, der nicht gerade selten ist wenn es um Selbständigkeit von Einzelunternehmern und Familien geht.
Durch die enge Zusammenarbeit entstanden Reibungspunkte und die Atmosphäre begann sich mehr und mehr aufzuheizen. Nach vielen schweren und dunklen Tagen erkrankte meine Mutter an einer Depression und an schweren körperlichen Leiden, welche sie daran hinderten ihren Beruf weiter auszuüben. Was zuerst kam, kann man heute nicht mehr genau sagen. Unausgesprochenes, blieb ungesagt und der bittere Beigeschmack des Schweigens ist bis heute geblieben in stillen Vorwürfen und einer manchmal unerträglichen Verbitterung.
Doch auch diese Zeiten sollten irgendwann überstanden sein. Mein Vater erzählte mir damals gerne von meiner Mutter und ihm. Er sprach dann mit melancholischer Stimmung von ihrer gemeinsamen Jugend und von ihrem Neuanfang in Deutschland. Damals wie heute ist mein Vater kein Mann vieler Worte, doch in diesen besonderen Momenten flüsterte er mir zu, so dass uns niemand hören konnte, wie sehr er sie lieben würde... die große Liebe seines Lebens - seine Elisabeth. Sicherlich hat er es ihr zu selten gesagt.
Die Jahre zogen ins Land und ihre Kinder verließen nach und nach das elterliche Nest. Jede Trennung war für meine Eltern ein Stich ins Herz. Es fiel ihnen schwer loszulassen. Aber so ist es nun mal, wenn Kinder zu jungen erwachsenen werden - Sie gehen ihrer Wege. Es fällt immer schwer loszulassen was man liebt.
Das Blumengeschäft bedeutet ein tägliches auf und ab. Meine Familie kann ein Lied davon singen. Meine zwei Schwestern Jessica und Kitty begannen ebenfalls Fuß zu fassen in dieser unsicheren Branche und eröffneten ihre eigene Geschäfte mit ihren Lebenspartnern.
Es gab Rückschläge und Erfolge zu feiern. Es gab große Niederlagen und schwere Zeiten zu überstehen. Doch meine Eltern, meine Geschwister und ich haben diese Zeiten durchgestanden und sind mit Größe und Stärke daraus hervorgegangen.
Heute
Mittlerweile im neuen Jahrtausend, wurden weitere große Krisen überwunden und alte Wunden beginnen zu heilen. Einige von uns erkannten, wie wichtig der Zusammenhalt sein muss und begannen sich erneut auf die Werte der Familie zu besinnen.
Andere sind noch immer auf der Suche nach ihrem Platz in dieser Welt; ihrem Platz im Leben. So oder so, es hat sich gezeigt, dass der Wert des eigenen Blutes nicht zu unterschätzen ist. Denn meiner Meinung nach, ziehen wir die größte Stärke aus unserem Blut und jenen die sich entschlossen haben unserer Familie ewig die Treue zu halten. (Man heiratet ja immer die ganze Familie mit)
Ich kann nicht sagen, was werden wird. Aber meine Furcht vor der ungewissen Zukunft, ist selten so gering gewesen, denn ich weiß, dass meine Familie immer hinter mir und ich hinter ihnen stehen werde.
Vielen Dank dafür.



